Wandele auf den Spuren von van Gogh in Arles

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Arles



Hallo, ich bin Sandra. Ich wurde als Kind tschechoslowakischer Einwanderer in München geboren und bin dort auch aufgewachsen. Ich habe die Tschechoslowakei in kommunistischen Zeiten miterlebt und war dankbar, in einem Land zu leben, in dem wir Reisefreiheit genießen konnten. Seit frühester Kindheit interessiere ich mich für andere Länder und Kulturen. Meine Neugier versuche ich dadurch zu befriedigen, indem ich mindestens ein neues Land (oder eine neue Stadt) pro Jahr besuche. Ich hatte jahrelang in Deutschland, Australien und auf der Isle of Man gelebt, bevor ich mich 2006 endgültig in Prag niederließ.

Ich und Straßenkunst; Fondation Vincent van Gogh


Als ich 20 Jahre alt war, las ich das Buch “Vincent van Gogh: Ein Leben in Leidenschaft” von Irving Stone. Dieser biografische Roman basiert auf den vielen Briefen, die Van Gogh an seinen Bruder Theo geschrieben hatte. Unter anderem beschreibt er darin seine Zeit in Arles (1988 – 89) während der er einige seiner berühmtesten Werke erschuf. Leider erlitt er hier einen schweren Nervenzusammenbruch und schnitt sich bekanntlich einen Teil seines Ohrs ab. Ich wollte mit eigenen Augen sehen, wo er gelebt und gemalt hatte. Lange hat es nicht sollen sein, denn es verschlug mich zunächst an andere Orte. Doch dieses Jahr bekam ich endlich die Gelegenheit, meinen Traum zu erfüllen!

Von links: Vincent van Gogh’s “Schlafzimmer in Arles”;” Das gelbe Haus”; “Feld mit Blumen in der Nähe von Arles”

Es gibt relativ günstige Ryanair-Flüge von Prag nach Marseille: Hin- und Rückflug sind für 160 EUR zu haben (plus 59 EUR für aufgegebenes Gepäck). Vom Flughafen Marseille bringt einen ein kostenloser Shuttlebus innerhalb von 10 Minuten zum Bahnhof Vitrolles, von wo aus im 30-Minuten-Takt Züge nach Arles fahren. Eine Einzelfahrt kostet 12,50 EUR und dauert etwa eine halbe Stunde.

Ich mag keine Hotels und buche meine Unterkunft meistens über Airbnb. Dieses Jahr ging ich noch einen Schritt weiter und bot unsere Wohnung auf HomeExchange zum Tausch an. Im Gegenzug konnten wir uns in einer sehr gemütlichen 2–Zimmer–Wohnung in der Altstadt von Arles wie Einheimische fühlen. Mein Lieblingsort war die Terrasse mit einem bequemen Tagesbett, auf der wir nach einem anstrengenden Tag ein Glas Wein genießen und die Sterne beobachten konnten.

Wir haben eine ganze Woche in Arles verbracht und viel gesehen. Ich habe die Highlights herausgepickt, sonst würde dieser Artikel viel zu lang ausfallen!

Panoramablick vom Amphitheater

Die Atmosphäre. Arles ist eine Kleinstadt in der Region Provence-Alpes-Côte d'Azur mit knapp 54 000 Einwohnern. In der Römerzeit spielte sie eine wichtige Rolle, und ihre römischen und romanischen Denkmäler wurden in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen. Ich mochte die engen Gassen mit ihren Häusern in verschiedenen Ocker- und Brauntönen, die Kirchen, die kleinen Cafés und die Kunstgalerien. Natürlich gibt es auch Neubauten, wie z. B. das LUMA Arles Center von Frank Gehry. Meiner Meinung nach funktioniert hier die Kombination aus alter und neuer Architektur wirklich gut, ich zumindest konnte keine „Schandflecken“ in Arles entdecken.

Alt trifft neu: Straße am Amphitheater (Foto: Pixabay); LUMA Arles (Foto: Flickr)


Das Event. Jedes Jahr ist Arles von Juli bis September der Schauplatz von Recontres d’Arles, einem internationalen Fotofestival, das es bereits seit 1970 gibt. Überall in der Stadt finden in Kirchen und Galerien verschiedene Fotoausstellungen statt. Man kann entweder einen Pass für alle Ausstellungen kaufen oder für jede Ausstellung einzeln bezahlen. Wir haben uns ein paar Einzelausstellungen herausgesucht und zusätzlich einige kleine Galerien besucht, in denen der Eintritt frei war. Kunst war allgegenwärtig: Plakate und gerahmte Bilder hingen in den Straßen. Ergo ein Paradies für Kunstnerds und hipsterige Fans der analogen Fotografie 😊.

Die Märkte. Es gibt zwei Märkte in Arles, jeweils am Mittwoch und am Samstag. Der Samstagsmarkt ist größer und ein wahres Fest für alle Sinne. Die traditionellen Calissons, kleine Konfekts mit Mandeln und kandierten Früchten, MUSS man probieren. Mein persönlicher Favorit aber waren Sakristains, süße und knusprige Blätterteigstangen. Sehen trocken aus, aber lasst euch nicht täuschen! Gerade wenn sie noch warm sind, zergehen sie auf der Zunge. Auf dem Markt kann man auch prima Souvenirs und Geschenke kaufen: Marseiller Seife, Lavendelöl, Salz aus der Camargue oder Saucisson d'Arles (Würste aus Arles).

Das Essen. Man kann in Arles an vielen Orten seinen Gaumen verwöhnen. Beim Glacier Arleatis gab es leckeres Eis. „Rocher“ kann ich auf jeden Fall empfehlen, ebenso Pistazie und Kaffeeis. Leider war ich zu feige, um die exotischeren Varianten wie „Paprika“ und „Schwarzer Sesam“ zu kosten. Wenn ihr mehr Mumm in den Knochen habt, dann probiert es (und lasst mich bitte wissen, ob ich etwas verpasst habe).

Die meisten Restaurants bieten zur Mittagszeit “Plats du Jour” an. Für ca. 15 EUR bekommt man ein Gericht, das sich aus Pommes, Salat und einem Stück Fleisch oder Fisch zusammensetzt. Wer sich zum Abendessen etwas Schickeres gönnen möchte, kann eines der Michelin-Restaurants der Stadt aufsuchen. La Comedie hat zwar noch keinen Stern, wird aber sicherlich demnächst einen bekommen. Die Betreiber dieses Restaurants haben offensichtlich eine große Leidenschaft für gutes Essen. Ich probierte die Meeräsche mit Fenchel und Artischocken. Einfach himmlisch!

Wer einen typischen Rosé aus dem hiesigen Weinanbaugebiet kosten möchte, sollte dies im Café Factory République tun. Es ist nicht nur an einem strategisch hervorragenden Ort zum Leute beobachten platziert, sondern brüstet sich auch noch mit dem charmanten Besitzer Gilles, der jeden Besucher mit einer herzlichen Umarmung und Küsschen empfängt. So sollte es in jeder Weinbar zugehen 😊!

Typischer Plat du jour: Gegrillter Tintenfisch mit Pommes und Salat


Der Rundgang. Natürlich musste ich den obligatorischen Van Gogh-Rundgang absolvieren. Für 2 EUR bekommt man eine kleine Broschüre in der Touristeninformation , man kann sie aber auch kostenlos hier herunterladen. Der Rundgang führt an verschiedenen Stellen vorbei, die Van Gogh in seinen Bildern verewigt hat.

Der Van Gogh Rundgang


Unser Ausgangspunkt war Place Antonelle, wo sich unsere Ferienwohnung befand. Die erste Station war die Fondation Vincent van Gogh. Diese kleine Galerie wurde als Hommage an Vincent van Gogh gegründet, fördert aber auch die Arbeit zeitgenössischer Künstler. Als Nächstes besuchten wir die Brücke von Trinquetaille, die aus einem Gemälde aus dem Jahr 1888 bekannt ist. Die Brücke sieht längst nicht mehr so aus wie auf dem Bild, bietet aber einen guten Ausblick auf die Altstadt. Danach schlenderten wir gemütlich am Flussufer entlang zum Museé Reáttu, das in dem wunderschönen ehemaligen Großpriorat des Malteserordens beheimatet ist. Die meisten Räume sind dem Werk von Jacques Réattugewidmet, es sind aber auch Originalwerke von Pablo Picasso und anderen modernen Künstlern ausgestellt.

Typische Straßenecke in Arles (Foto: Flickr)


Das Amphitheater von Arles ist die beliebteste Touristenattraktion, aber ehrlich gesagt gibt es dort nicht viel zu sehen. Manchmal finden abends besondere Veranstaltungen statt. Das Programm auf der offiziellen Website (auf Französisch) findest Du hier. Als altem Grufti hat mir der nächste Stopp besonders gut gefallen: Die Nekropolis Alyscamps verbreitet eine etwas unheimliche Stimmung. Van Gogh malte hier zusammen mit Paul Gaugin, der Ende 1888 einige Wochen in Arles verbrachte.

Das i-Tüpfelchen des ganzen Rundgangs war der Innenhof des ehemaligen Krankenhauses von Arles, das heute den Namen Espace van Gogh trägt. Nicht einmal die kitschigen Touristengeschäfte können die bezaubernde Atmosphäre verderben. Das gilt leider nicht für den Place du Forum. Alle wollen das Café aus dem Gemälde "Terrasse Du Café Le Soir" besuchen, das dem Original genau nachempfunden wurde. Leider erhält es keine guten Bewertungen, was Essen und Service anbelangt. Tatsächlich scheint der gesamte Platz eine einzige große Touristenfalle zu sein. Biegt man um die Ecke, findet man in den (fast menschenleeren) Seitenstraßen viel nettere Cafés und Restaurants.

Espace van Gogh


Die Tagesausflüge. Natürlich ist es am besten, wenn man ein Auto zur Verfügung hat. Aber selbst wenn Du (so wie ich) der schlechteste Fahrer aller Zeiten bist, kannst Du die Gegend erkunden. Le Plage du Piémanson kann man ganz bequem für läppische 2 EUR (Hin- und Rückfahrt!) per Bus erreichen. Es ist ein eher karger Strand ohne Schatten, der berüchtigte Mistral bläst einem gnadenlos Sand ins Gesicht und man muss sein eigenes Picknick mitbringen (die Öffnungszeiten des Imbisswagens sind wohl unvorhersehbar). Dafür ist das Meer sauber, und in den nahe liegenden Salinen tummeln sich Tausende von Flamingos.

Wer kennt es nicht, das Lied "Sur Le Pont D'Avignon"? Die berühmte Brücke sowie der Papstpalast in der Stadt Avignon sind mit dem Zug in 20 Minuten zu erreichen (16 EUR Hin- und Rückfahrt). Die kleine Gemeinde Saint-Rémy-de-Provence (5 EUR Hin- und Rückfahrt mit dem Bus) ist von Touristen überlaufen, aber wirklich wunderschön und einen Besuch wert. Der hiesige Van-Gogh-Wanderweg führt zu der psychiatrischen Klinik, in welcher er behandelt wurde. Diejenigen, denen der alte Vincent schon zum Hals heraushängt, können das Geburtshaus von Nostradamus oder die archäologische Stätte Glanum besuchen.

Fazit: Ich habe gesehen, was ich wollte – und vieles mehr. Es gibt aber noch andere interessante Orte in der Provence, für welche die Zeit nicht mehr reichte. Ich komme wieder!

Entspannung am Plage du Piémanson



Hauptfoto: Flickr

Alle Fotos mit freundlicher Genehmigung von Sandra Tranta sofern nicht anders spezifiziert

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