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Boarding verweigert? So sieht die Rechtslage aus

  • Bis zu 600 €* Entschädigung
  • Bis zu 3 Jahre rückwirkend
* abzgl. unserer Provision

Boardingverweigerung kommt vor

Eine Nichtbeförderung trotz Flugticket, ordentlichem Check-In und pünktlichem Eintreffen am Flughafen-Gate ist leider ein nicht ganz seltenes Problem. Dafür muss aber noch nicht einmal eine Flugverspätung oder Flugannullierung verantwortlich sein. Es gibt leider auch viele Fälle, bei denen der Flug wie geplant stattfindet und man trotzdem nicht mit an Bord gelassen wird. Hat man sich selbst nichts zuschulden kommen lassen, ist dann meist der Frust sehr groß. Das gilt vor allem dann, wenn sich die Fluggesellschaft nicht kooperativ zeigt und einen im Regen stehen lässt. Hier findest Du eine Übersicht über die typischsten Fälle und die dafür geltende Rechtslage.

Verweigerter Einstieg wegen Überbuchung

Eine Überbuchung eines Fluges ist einer der häufigsten Gründe für die Nichtbeförderung eines Passagiers, obwohl dieser eigentlich einen Anspruch auf den Transport hätte. In solch einem Fall hat die Airline schlichtweg mehr Flugtickets verkauft, als das Flugzeug Sitzplätze aufweist. Dies ist eine gängige Praxis in der Luftfahrtbranche.

Verweigerter Einstieg wegen Überbuchung
Verweigerter Einstieg wegen Überbuchung

Der Grund für die Überbuchungen seitens der Airlines sind die so genannten No-Shows, wie es im Airline-Slang heißt. Dabei handelt es sich um Kunden, die trotz eines gültigen Tickets einen Flug verfallen lassen, sei es absichtlich oder weil sie aus anderen Gründen verhindert sind den Flug anzutreten. Gerade bei den Billigairlines sind solche No-Shows ein wichtiger Faktor für die Umsatzkalkulation. Reisende die sich vorab Tickets zum Aktionspreis von wenigen Euros sichern, obwohl sie sich nicht sicher sind, ob sie den Flug tatsächlich in Anspruch nehmen wollen, motiviert die Airlines die leeren Plätze an andere Reisende zu vermitteln. Um die Flieger möglichst auszulasten, schätzen die Airlines mit komplexen Berechnungsmodellen die No-Show-Rate pro Verbindung ein und verkaufen in Abhängigkeit davon mehr Tickets, als Sitzplätze vorhanden sind. So kann die Auslastung maximiert werden und weitere Einnahme gesichert werden. Alleine bei der Lufthansa erscheinen jedes Jahr rund drei Millionen Passagiere nicht am Check-in-Schalter. Um Passagiere, die von einem Flug ausgeschlossen werden zu schützen, gibt es in der EU-Verordnung für Fluggastrechte eine Reihe von Vorgaben, nach denen sich Airlines zu richten haben.

Die EU-Fluggastrechte gelten bei Flügen innerhalb der EU, die von einer Fluggesellschaft aus der EU oder einem Nicht-EU-Land durchgeführt werden, bei Flügen aus einem Nicht-EU-Land in die EU, die von einer Fluggesellschaft aus der EU durchgeführt werden und bei allen Flügen aus der EU in ein Nicht-EU-Land, so auch unter anderem die Nichtbeförderung bei US-Flügen und anderen Überseeflügen.

Bei diesen Flügen steht Dir ein Anspruch zu

EU Airline
(z.B. Lufthansa, British Airways)
Nicht EU Airline
(z.B. United Airlines, Emirates)
Reise innerhalb der EU
(München → Barcelona)
Einreise in die EU
(New York → Düsseldorf)
Ausreise aus der EU
(Hamburg → Moskau)

Was passiert bei einer Überbuchung?

Sollte ein Flug überbucht sein, muss die Fluggesellschaft zunächst nach freiwilligen Passagieren suchen, die bereit sind, auf ihren Flug zu verzichten, bevor sie einzelnen Reisenden willkürlich das Boarding verweigert. Dafür bieten die Fluggesellschaften je nach Einzelfall mehr oder weniger hohe Gegenleistungen in Verbindung mit einem kostenlosen Ersatzflug mit der nächsten Maschine an. Wird einem aber der Einstieg wegen Überbuchung verweigert, hat man je nach Flugdistanz einen Anspruch auf Unterstützungsleistungen, sowie auf eine gesetzliche Entschädigungszahlung von bis zu 600 EUR pro Person.

Unterstützungsleistungen

Betroffene Fluggäste können zwischen

Einer vollständigen Erstattung des Flugpreises.

Einer Erstattung für nicht genutzte Teilstrecken bei gleichzeitigem kostenlosem Rücktransport zum Ausgangsort.

Oder einer anderweitigen Beförderung zum Ziel zum frühestmöglichen Zeitpunkt wählen.


Darüber hinaus hat man Anspruch auf

Verpflegung mit kostenlosem Essen und Getränken.

Zwei kostenlose Telefonate.

Zwei kostenlose E-Mails oder zwei Telefaxe.


Kommt es zu einer verspäteten Weiterbeförderung am nächsten Tag

Muss die Airline darüber hinaus unentgeltlich ein Hotelzimmer.

Und den Taxitransfer zum und vom Hotel organisieren.

Übersicht zu Deinen zusätzlichen Entschädigungsleistungen bei Flugannullierung:

Telekommunikation: 2 kostenlose Telefonate, Faxe oder Emails

Mahlzeiten und Erfrischungsgetränke

Hotelübenachtung

Transport

Bei Flugstrecken bis zu 1 500 Kilometer hat man darüber hinaus Anspruch auf eine Ausgleichszahlung von 250 EUR.

Bei Flügen innerhalb der EU-Gemeinschaft über 1 500 Kilometer und bei allen anderen Flügen zwischen 1 500 und 3 500 Kilometer liegt der Anspruch bei 400 EUR.

Bei allen Verbindungen mit mehr als 3 500 Kilometern Flugstrecke über die EU-Grenze hinaus müssen die Airlines sogar 600 EUR bezahlen.

Alle Entschädigungssummen verstehen sich pro Person.

Zustehende Entschädigungszahlungen nach Flugentfernung:

Selbst wenn man sich für eine Weiterbeförderung zu einem späteren Zeitpunkt entscheidet, können eventuell noch Entschädigungsansprüche bestehen. Diese betragen je nach Flugstrecke jedoch nur die Hälfte der oben gemachten Angaben, wenn die Fluggesellschaft den Ersatzflug in einem entsprechenden Zeitfenster bereitstellen kann:

Bei allen Flügen über eine Entfernung von 1 500 Kilometer oder weniger muss der Ersatzflug nicht später als zwei Stunden nach dem verweigerten Flug erfolgen.

Bei allen innergemeinschaftlichen Flügen über eine Entfernung von mehr als 1 500 Kilometer und bei allen anderen Flügen über eine Entfernung zwischen 1 500 und 3 500 Kilometer beträgt das Zeitfenster drei Stunden.

Bei allen anderen Flügen mit größeren Distanzen muss der Ersatzflug innerhalb von vier Stunden starten, ansonsten ist dem Passagier die volle Ausgleichszahlung zu leisten.

Andere Gründe für Nichtbeförderung

Auch wenn Überbuchungen den häufigsten Grund für die Boardingverweigerung darstellen, gibt es eine Reihe an weiteren Gründen, weshalb Fluggesellschaften ihre Flugpassagiere nicht an Bord lassen. Ob diese Argumente gerechtfertigt sind, hängt vom Einzelfall ab. Es gibt zumindest eine Reihe von Standardsituationen, die man kennen sollte, um auf sein Recht pochen zu können.

Ist man etwa ohne die Kreditkarte unterwegs, mit der man das Flugticket erworben hat, verweigern einem manche Airlines den Einstieg. Darauf weisen die Fluggesellschaften meist auch auf ihren Webseiten und ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGBs) hin. Das Argument der Fluggesellschaften ist, dass schließlich die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGBs) zum Zeitpunkt des Kaufs des Tickets akzeptiert wurden.

Wie aber das Landgericht Frankfurt in einem Urteil feststellte, sind derartige Klauseln unzulässig und damit ungültig. Verweigert einem die Airline wegen fehlender Kreditkarte den Abflug, entsteht daraus zudem ein Entschädigungsanspruch nach dem oben beschriebenen Schema.

Andere Gründe für Nichtbeförderung
Andere Gründe für Nichtbeförderung

Anders gestaltet sich die Sache, wenn man selbst zwar noch vor Abflug aber gemäß der Vertragsbedingungen zu spät am Schalter erscheint. Wenn die Fluggesellschaft keine anderen Angaben macht, gilt hier eine Mindestzeit von 45 Minuten bei innereuropäischen Flügen und 60 Minuten bei außereuropäischen Flügen vor dem geplanten Start, die sich der Reisende am Schalter einzufinden hat – auch wenn man online eingecheckt hat. Kommt man später verliert man den Anspruch auf Beförderung und die Airline muss sich auch nicht weiter um einen kümmern. Das gleiche gilt, wenn man die für eine Reise nötigen Dokumente nicht mit dabei hat. Dies gilt vor allem für Reisepässe und Visa, welche in manchen Ländern sogar für kurze Zwischenstopps erforderlich sind.

Der wohl unklarste Fall ist, wenn einem die Fluggesellschaft den Mitflug verweigert, weil die Fluggesellschaft den Passagier, aufgrund von Trunkenheit oder Krankheit, als Sicherheitsrisiko einstuft. Dazu sind die Airlines zwar auch verpflichtet, jedoch gibt es aufgrund des dabei nötigen Ermessensspielraums auch immer wieder Rechtsstreitigkeiten. Auffälliges Verhalten, ein alkoholisierter Zustand, Übergewicht oder auch bestimmte Behinderungen führten schon zu einer Boardingverweigerung. Ob die Boardingverweigerung aber im Einzelfall legitim ist, müssen dann oft später die Gerichte entscheiden.

Insgesamt ist die Rechtslage in der EU Verordnung aber sehr klar ausgelegt und gibt nur wenig Spielraum für die Interpretation im Bereich Boardingverweigerung. MYFLYRIGHT hilft seinen Kunden in jedem Fall die Rechte im Bereich Boardingverweigerung durchzusetzen und die richtigen Rückschlüsse aus der jeweiligen Situation zu schließen.