Arrow

Flugausfall: Diese Ansprüche könnt Ihr geltend machen

  • Bis zu 600 €* Entschädigung
  • Bis zu 3 Jahre rückwirkend
* abzgl. unserer Provision

Die Entschädigung bei Flugausfall — Mehr als nur ein Trostpflaster

Ein Flugausfall ist mit das Nervigste, was einem auf einer Flugreise passieren kann. Im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln kann man bei Flügen meist nicht einfach mal so auf andere Transportmittel wechseln. Und wenn es sich um einen Langstreckenflug mit einem eher exotischen Zielort und Umsteigeverbindungen handelt, ist der Ärger meist richtig groß. Ob bei einer Hochzeitseinladung in den USA, einem Flug zu einem Kongress in Malaysia, auf dem man einen Vortrag halten soll oder in den lange geplanten Flitterwochen – eine kleine Odyssee ist bei einem Flugausfall eigentlich fast immer zu erwarten.

Dies weiß auch der Gesetzgeber. Schützen kann dieser die Reisenden vor Flugausfällen zwar auch nicht. Aber immerhin gibt es ein strenges Regelwerk, welches die Airlines dazu zwingt, das Risiko eines Flugausfalls zu minimieren. Und auch eine Entschädigung für Flugausfall ist dadurch in vielen Fällen möglich. Innerhalb der EU gilt glücklicherweise eine einheitliche Rechtslage, geregelt durch die EU Fluggastrechte-Verordnung. So bleibt es den von einem Flugausfall betroffenen Reisenden immerhin erspart, sich auch noch mit nationalem Recht und unterschiedlichen Regelungen in Abhängigkeit vom jeweiligen Flughafen-Standort herumzuschlagen. In diesem kleinen Leitfaden haben wir die für Flugausfälle wichtigsten Aspekte zusammengefasst. So könnt Ihr euch leicht einen Überblick darüber verschaffen, was es zu beachten gilt und welcher Anspruch euch bei einem Flugausfall zusteht.

Die Entschädigung bei Flugausfall
Die Entschädigung

Für diese Flüge gelten die EU-Fluggastrechte

Das EU-Parlament und der Europäische Rat haben 2004 eine EU-weit gültige Verordnung für Ausgleichs- und Unterstützungsleistungen für Fluggäste im Fall der Nichtbeförderung erlassen. Diese deckt auch Flugannullierungen ab und legt genau fest, ob und in welcher Höhe Reisenden eine Flugausfall-Entschädigung zusteht. Das ein Großteil der Flüge grenzüberschreitend sind, ist dies auch notwendig, genauso wie eine genaue Regelung für Flüge aus der EU heraus oder in die EU hinein.

Die EU-Fluggastrechte gelten ausnahmslos bei allen von einem EU-Flughafen startenden Flügen, unabhängig davon, ob die Fluggesellschaft Ihren Hauptsitz in einem Mitgliedsstaat der EU hat oder nicht. Auch für Flüge in die EU hinein von einem Nicht-EU-Land aus hat das EU-Regelwerk Gültigkeit, sofern die Airline in der EU beheimatet ist. Wird ein in die EU stattfindender Flug von einer Airline von außerhalb der EU durchgeführt, gelten die Regeln allerdings nicht. Bei der Buchung von Reisen auf andere Kontinente kann dies ein wichtiger Faktor sein, für den es sich durchaus lohnt, eventuell ein paar Euro mehr auszugeben um in den Genuss der EU-Flugastrechte zu kommen.

Bei diesen Flügen gelten die EU-Fluggastrechte:

EU Airline
(z.B. Lufthansa, British Airways)
Nicht EU Airline
(z.B. Turkish Airlines, Emirates)
Reise innerhalb der EU
(Berlin → Lissabon)
Einreise in die EU
(Shanghai → Frankfurt)
Ausreise aus der EU
(München → Antalya)

Was gilt als Flugausfall?

Das EU-Recht unterscheidet streng zwischen Flugverspätungen und Flugausfällen durch eine Annullierung der Airline. Generell spricht man von einem Flugausfall, wenn der gebuchte Flug mit einer genau definierten Flugnummer nicht durchgeführt wird. Wird der Flug sehr weit nach hinten verschoben, dann aber unter der bei der Buchung festgelegten Maschine und Flugnummer durchgeführt, gilt dieser lediglich als verspätet. Eine Nichtbeförderung eines einzelnen Passagiers gilt ebenfalls nicht als Flugausfall, da der Flug ja wie geplant stattfindet. Sowohl für Verspätungen von Flügen als auch für den Fall von Nichtbeförderung hat die EU-Verordnung für Fluggastrechte gesonderte Regelungen.

Ob Schadensersatz bei Flugausfall gefordert werden kann und in welcher Höhe, hängt davon ab, wann die verantwortliche Airline diesen kommuniziert und in welchem Zeitrahmen diese gegebenenfalls eine Umbuchung auf einen Ersatzflug anbietet. Informiert die Fluggesellschaft die Reisenden bereits zwei Wochen vor dem geplanten Abflug über einen Flugausfall und eine daraus resultierende Umbuchung auf einen anderen Flug, besteht generell kein Entschädigungsanspruch.

Informiert einen die Airline 7-14 Tage vor dem Reisetermin, muss sie einen alternativen Flug anbieten. Dieser darf frühestens zwei Stunden vor dem ursprünglichen Abflug starten und muss spätestens vier Stunden nach der geplanten Landung des Ursprungsfluges das Ziel erreichen. Wird der Flug 7 Tage vor dem Reisetermin annulliert, gilt eine maximale Vorverlegung des eines Ersatz-Flugtermins um eine Stunde und bei der Ankunft von zwei Stunden. In allen anderen Szenarien ist die Airline zu Ausgleichszahlungen verpflichtet, insofern der Flugausfall in ihren Verantwortungsbereich fällt. Dazu weiter unten mehr.

Benachrichtigungszeitraum über die Flugannullierung vor Reisetermin und die entsprechenden Vorverlegungs-/ Verspätungsrahmen:

Max. Vorverlegung des Ersatzfluges Max. Verspätung des Ersatzfluges
Bis 7 Tage 1 Stunde 2 Stunden
8-14 Tage 2 Stunden 4 Stunden
Über 14 Tage Kein Anspruch Kein Anspruch

Rückerstattung bei Flugausfall

Annulliert eine Airline einen Flug, und kann keinen Ersatz entsprechend der vorgeschriebenen Fristen anbieten, hat man als Reisender laut EU-Recht zwei Optionen. Entweder man lässt sich den Ticketpreis zurückerstatten, oder man nimmt einen kostenlosen Rückflug zum Ursprungsort in Anspruch. Was sich im Einzelfall mehr lohnt, hängt von vielen Faktoren ab. Ein genauer Blick ist aber in jedem Fall lohnenswert. Vielleicht kommt man ja mit dem Zug genauso schnell und komfortabel zum Ursprungsort und zahlt für das Ticket weniger, als der zurückerstattete Ticketpreis einem einbringt. Oder man findet gar ein Last-Minute-Flugschnäppchen, das ebenfalls günstiger kommt, als den Ersatzflug der Airline anzunehmen. Ob man die Erstattung bei Flugausfall nutzt, muss jeder für sich selbst entscheiden. Bei der Erstattung handelt es sich aber keineswegs um eine Ausgleichszahlung für den entstandenen Schaden. Ein Anspruch darauf kann zusätzlich bestehen.

Nimmt man einen Ersatzflug in Anspruch und muss aus diesem Grund länger warten, ist die Airline ebenfalls verpflichtet für angemessene Verpflegung in Form von kostenlosen Mahlzeiten und Getränken zu sorgen. Dies geschieht in der Regel durch Gutscheine, die man bei den Lokalen am Flughafen einlösen kann. Noch aus der Zeit vor dem Aufkommen von Smartphones kommt ein zusätzlicher Anspruch auf zwei kostenlose Telefonate, Faxe oder Emails, die einem die Airline ermöglichen muss. Ist der Ersatzflug auf den nächsten Tag angesetzt, hat man darüber hinaus auch Anspruch auf eine kostenlose Hotel-Übernachtung und den freien Taxitransfer zur Übernachtungsstätte und zurück.

Übersicht zu Deinen zusätzlichen Entschädigungsleistungen bei Flugannullierung:

Telekommunikation: 2 kostenlose Telefonate, Faxe oder Emails

Mahlzeiten und Erfrischungsgetränke

Hotelübenachtung

Transport

Regeln für Schadensersatz: Flugausfall und Entschädigung

Kommt es zu einem Flugausfall, und die Airline kann die oben genannten Fristen für einen Ersatzflug nicht einhalten, hat man als Passagier einen Anspruch auf Schadensersatz. Die EU-Verordnung hat hier drei feste Beträge je nach Flugstrecke festgelegt: 250 Euro, 400 Euro oder 600 Euro.

Bei Flügen über eine Flugentfernung bis 1.500 Kilometer muss die Airline für den Flugausfall 250 Euro Schadensersatz zahlen. Geht es um einen Flug innerhalb der EU mit einer Flugstrecke von mehr als 1.500 Kilometern, oder um einen Flug ins EU-Ausland zwischen 1.500 und 3.500 Kilometern, hat man Anspruch auf eine Entschädigung von 400 Euro. 600 Euro in Form einer Ausgleichszahlung werden in allen anderen Fällen fällig, also auch bei Flügen in Nicht-EU-Länder mit einer Flugstrecke von mehr als 3.500 Kilometern. Bei Flügen in die EU hinein ist wie bereits oben erwähnt der Hauptsitz der Fluggesellschaft dafür ausschlaggebend, ob man Ansprüche geltend machen kann oder nicht. Nur in der EU ansässige Fluggesellschaften müssen in einem solchen Fall Schadensersatz zahlen. Eventuell gelten im Land am Abflugsort ebenfalls Entschädigungsregelungen, auf die man notfalls zurückgreifen kann. Sein Recht als EU-Bürger etwa in Asien oder Lateinamerika durchzusetzen, dürfte allerdings deutlich komplizierter sein. Bei Reisen auf andere Kontinente ist es deshalb lohnenswert, mit einer EU-Airline zu buchen. Dann ist man auch beim Rückflug auf der sicheren Seite.

Zustehende Entschädigungszahlungen nach Flugentfernung:

Flugausfall-Entschädigung: Technischer Defekt und andere Ursachen

Sind für den Flugausfall „außergewöhnliche Umstände“ verantwortlich, hat man laut EU-Recht keinen Anspruch auf Schadensersatz. Was aber genau unter außergewöhnlichen Umständen genau zu verstehen ist, wurde vom Gesetzgeber leider nicht definiert. Es gibt auch keinen Fall-Katalog für die häufigsten von den Airlines als außergewöhnliche Umstände aufgeführten Szenarien, auf den man sich stützen könnte. Aus diesem Grund kann es im Streitfall schwierig sein, zu seinem Recht zu kommen. Denn wann immer irgendwie halbwegs plausibel möglich, wird eine Fluggesellschaft auf außergewöhnliche Umstände verweisen, um einer Entschädigungszahlung zu entgehen.

Seit dem Inkrafttreten der EU-Verordnung im Jahr 2004 wurden aber glücklicherweise zahlreiche Gerichtsurteile gefällt, die das etwas vage EU-Recht inzwischen ziemlich gut präzisieren. So gilt extrem schlechtes Wetter als außergewöhnlicher Umstand, nicht aber das Fehlen von Enteisungsmittel in einem besonders kalten Winter. Fällt ein Flug wegen vereister Tragflächen deshalb aus, hat man also ein Anrecht auf Schadensersatz.

technischer Defekt und andere Ursachen
technischer Defekt und andere Ursachen

Führt die Fluggesellschaft einen technischen Defekt für den Flugausfall an, hängt es wie im Fall des Enteisungsmittels davon ab, ob die Fluggesellschaft ihrer Vorsorgepflicht Sorge getragen hat oder nicht. Während eines Fluges durch Vogelschlag, Hagel oder Materialverschleiß auftretende technische Probleme muss die Airline sofort nach der Landung beheben. Und für die typischen im Flugverkehr auftretenden technischen Mängel müssen dafür entsprechende Techniker und Wartungspersonal bereitstehen. Fällt ein Flug nur deshalb aus, weil eine Standardreparatur mangels Ersatzteilen oder Personals nicht durchgeführt wurde, kann ein Anspruch auf Schadensersatz bestehen. Dies als Passagier nachzuweisen, ist allerdings kompliziert.

Was Streiks von Piloten und Fluglotsen oder des Bord-Personals ist die Rechtslage ebenfalls etwas unklarer. Streiks werden zwar generell als außergewöhnlicher Umstand eingestuft. Bei so genannten wilden Streiks, bei denen sich für einen Flug essentielles Personal unerwartet krank meldet und nicht ersetzt werden kann, hängt es ganz vom Einzelfall ab, ob dies als außergewöhnlicher Umstand gewertet zu werten ist, oder die Airline Verantwortung übernehmen muss. In verschiedenen Verfahren wurde teilweise zu Gunsten der klagenden Passagiere entschieden, aber in einigen Fällen auch im Sinne der Fluggesellschaft.

Dass solche Rechtsstreitigkeiten nicht selten sind, kann man von der hohen Anzahl an Flugausfällen schließen. Manche Airlines wie Ryanair streichen aus Gewinnstreben sogar gezielt bereits fest geplante Flüge. Im Winterflugplan von November 2017 bis März 2018 will der Billigflieger etwa 18.000 der rund 800.000 geplanten Flüge nicht durchführen und 25 seiner rund 400 Flugzeuge am Boden lassen. Wie hoch die Flugausfallrate bei den wichtigsten Airlines ist, könnt Ihr in folgender Tabelle ablesen. Die inzwischen insolvente Air Berlin hält sicher nicht ohne Grund den „Spitzenplatz“.

Die Airlines mit den meisten Flugannullierungen in der Europäischen Union

(Quelle: OAG und MFLYRIGHT Analyse)
IATA-Code Fluglinie Flugannullierungsrate in (%)
HG Air Berlin 4,6
BM Bmi regional 4,2
KM Air Malta 4,2
AF Air France 3,0
FR Ryanair 2,4
SN Brussels Airlines 2,3
DE Condor Flugdienst 2,3
TP TAP Portugal 2,2
OS Austrian Airlines 2,0
LS Jet2.com 1,8
BA British Airways 1,7
FB Bulgaria Air 1,7
U2 easyJet 1,4
LO LOT Polish Airlines 1,4
HV Transavia Airlines 1,4
AY Finnair 1,3
LH Lufthansa 1,3
WK Edelweiss Air 1,2
EW Eurowings 1,2
4U Germanwings 1,2
LX Swiss International Air Lines 1,2
DY Norwegian Air International 1,0

Flugausfall-Entschädigung: AUA (Austrian Airlines), DLH (Lufthansa), RYR (Ryanair) zur Kasse bitten

Falls ihr von einem Flugausfall betroffen seid, kann es im Einzelfall ganz schön schwierig werden, an euer Recht zu kommen. Dies gilt insbesondere für die von der EU-Fluggastrechteverordnung angedachten Entschädigungszahlungen, vor denen sich die Airlines gerne unter Verweis auf außergewöhnliche Umstände drücken wollen. Bei Fluggesellschaften mit gutem Service wie Austrian Airlines (AUA), Lufthansa (LH) ist dies sicher weniger der Fall als bei Billigfliegern wie Ryanair (FR). Grund zur Panik ist dies aber nicht. Wenn Ihr am Flughafen steht, könnt Ihr euch in aller Ruhe um die Thematik Ersatzflüge bzw. Rücktransport kümmern und euch dann später, ja viel später von daheim aus um etwaige Schadensersatzforderungen kümmern. Bevor die Ersatzansprüche verfallen, vergehen einige Jahre – bei manchen Flügen bestehen sie sogar bis zu sechs Jahre lang.

Anspruch bei Flugausfall geltend machen

Um sein Recht aber auch durchsetzen zu können, empfiehlt es sich, die notwendigen Fakten bereits am Flughafen zusammenzutragen. Dies kann durch Fotos geschehen, oder durch eine vom Flughafenpersonal unterschriebene Bestätigung zu einem bestimmten Sachverhalt. Was Fristen und offensichtliche technische Mängel betrifft, muss man sich aber keinen großen Kopf machen, da diese von der Flugaufsicht bzw. vom Flughafen sowieso erfasst werden müssen und später abgefragt werden können.